Am Ende der Welten - 16 by Terry Goodkind

Am Ende der Welten - 16 by Terry Goodkind

Author:Terry Goodkind [Goodkind, Terry]
Language: deu
Format: epub
Tags: Das Schwert der Wahrheit
ISBN: 9783442244409
Published: 1995-01-02T00:00:00+00:00


Rings um ihn her ragten ungeschlachte Soldaten auf, einige in aus Leder, rostigen Metallplatten oder Kettenpanzern zusammengeflickten Rüstungen, während andere sich zu ihrem Schutz mit derben Fellwesten begnügten. Ihre Waffen hingen an breiten Gürteln oder nietenbesetzten Riemen. Keine dieser Waffen wies auch nur die geringste Verzierung auf; es waren die primitiven Werkzeuge ihres Handwerks: Messer mit selbst gebastelten Holzgriffen, die mit krumm geschlagenen Nägeln an dessen Ende befestigt waren; Schwerter, das Heft mit Lederriemen umwickelt, damit es am Heftzapfen hielt; Keulen aus grob gegossenem Eisen auf einem dicken Griff aus Walnussholz oder einer Eisenstange. Ihre primitive Machart nahm ihnen nichts von ihrer beabsichtigten Wirkung, im Gegenteil: Das Fehlen jeglichen Schmucks unterstrich noch ihren einzigen Zweck und ließ sie dadurch nur noch unheimlicher erscheinen.

Wer sich den Schädel nicht kahl geschoren hatte, dessen fettiges Haar hatte sich im unablässigen Regen in eine verfilzte Masse verwandelt. Einige Soldaten trugen mehrere Ringe oder angespitzte Metalldorne in Ohren und Nase. Der Regen schien dem Schmutz, der ihre Gesichter bedeckte, nichts anhaben zu können. Nicht wenige Soldaten hatten einen Streifen aus düsteren Tätowierungen im Gesicht; einige ähnelten beinahe Masken, während andere sich in wild verschlungenen, dramatischen Mustern über Wangen und Nase zogen. Die auffälligen Tätowierungen ließen die Männer nur noch weniger menschlich, nur noch wilder erscheinen. Unruhig zuckten die Augen der Soldaten hin und her, kamen nur selten auf einem bestimmten Gegenstand zur Ruhe, was ihnen das Aussehen gehetzter Tiere verlieh.

Um etwas zu erkennen, musste Richard das Regenwasser aus den Augen blinzeln. Er warf den Kopf in den Nacken, um einige Strähnen seines völlig durchnässten Haars aus dem Gesicht zu schleudern. Erst jetzt gewahrte er, dass auch links von ihm Männer waren, von denen einige hilflos wimmerten, während die Soldaten all jene gepackt hielten, die sich weigerten oder nicht fähig waren, aufrecht im Morast zu knien. Das Gefühl panischer Angst war mit den Händen greifbar; die Flutwelle dieser Angst sprang auf Richard über, stieg in ihm hoch und drohte über ihm zusammenzuschlagen. Er wusste, das alles war nicht wirklich … und doch war es das. Der Regen fühlte sich eiskalt an. Seine Kleider waren durchnässt. Gelegentlich schüttelte ihn ein kalter Schauder. Ein Gestank herrschte an diesem Ort, schlimmer als alles, an das er sich erinnern konnte, eine Mischung aus beißendem Rauch, abgestandenem Schweiß, Exkrementen und brandigem Fleisch. Die Schreie der anderen rings um ihn her klangen nur allzu real. Er glaubte nicht, dass er fähig gewesen wäre, sich dieses Stöhnen, so bar jeder Hoffnung und zugleich erfüllt von verzweifelter Angst, einzubilden. Viele der Männer zitterten unkontrolliert, und schuld daran war keineswegs der kalte Regen. Wie er sie so anstarrte, dämmerte Richard, dass er einer von ihnen war, dass er genau so war wie sie, einer von vielen, die mit auf den Rücken gefesselten Händen auf den Knien im Morast lagen.

Das Ganze war so unwahrscheinlich, dass es etwas Verstörendes hatte; irgendwie war er tatsächlich dort. Irgendwie hatte Shota ihn an diesen Ort versetzt. Ihm war unbegreiflich, wie so etwas möglich sein sollte. Er musste es sich einbilden.



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